Gute Beratung ist einfach...
Im Bereich Beratung und Supervision ist es wichtig, eine klare Grenze zu ziehen: Beratung ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Folgende Tätigkeiten sind ausschließlich ausgebildeten Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen vorbehalten:
- Behandlung psychischer Erkrankungen (z. B. Depression, Angststörungen, Suchterkrankungen)
- Traumatherapie und therapeutische Aufarbeitung tiefer seelischer Verletzungen
- Alle medizinischen Heilbehandlungen
- Erstellen von medizinischen Diagnosen
- Psychotherapie mit dem Ziel der Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert
- Akute Krisenintervention bei Selbst- oder Fremdgefährdung
Leider gibt es, auch innerhalb weiter Grenzen der Vielfältigkeit, mancherlei unseriöse Angebote durch nicht qualifizierte Personen, die nur mit großer Skepsis zu betrachten sind, weil sie über die Tätigkeit der Beratung hinausgehen:
Beratung, Coaching und Supervision konzentrieren sich hingegen auf Begleitung, Reflexion, Stärkung persönlicher Ressourcen und Unterstützung in beruflichen oder privaten Entwicklungsfragen – nicht auf die Heilung von Krankheiten.
Über das Angebot in Social Media
Beratung und Erfolgsangebote in den sozialen Medien
1. Vielfalt der Angebote
Ob auf Facebook, TikTok, Instagram oder LinkedIn – Beratungsangebote sind heute allgegenwärtig. Mit wenigen Klicks stößt man auf Coaches, Trainer:innen und „Mentor:innen“, die scheinbar für jede Lebenslage eine Lösung bereithalten:
• von Karriere- und Erfolgscoaching über Beziehungsberatung bis hin zu mentaler Heilung,
• von Fitness- und Ernährungsprogrammen bis zu spirituellen Selbstfindungsreisen.
Die Palette ist so breit wie nie zuvor – und genau darin liegt eine Ambivalenz: Auf der einen Seite eröffnet diese Vielfalt niederschwelligen Zugang zu Hilfestellungen, auf der anderen Seite verschwimmen die Grenzen zwischen seriöser, qualifizierter Beratung und reinem Businessmodell.
2. Beratung als „schnelles Business“
In sozialen Medien wird Beratung häufig nicht primär als verantwortungsvolle Begleitung verstanden, sondern als Geschäftsmodell mit schnellen Gewinnen. Das zeigt sich in:
• aggressivem Marketing („In 30 Tagen zu deinem Traumleben“),
• Erfolgsversprechen, die inhaltlich kaum überprüfbar sind,
• dem ständigen Druck, Angebote „skalierbar“ zu machen, also Masse statt individuellem Tiefgang.
Das Ergebnis: Beratung wird reduziert auf ein Produkt, das sich in wenigen Sätzen oder Vorlagen verkaufen lässt. Für Ratsuchende bedeutet das, dass die Tiefe und Authentizität echter Begleitung verloren geht – und Beratung damit oft zu einer Oberflächenware wird.
3. Vorlagen, Zertifikate und das „Business aus dem Business“
Ein besonders fragwürdiger Trend sind die zahllosen Vorlagenpakete, Copy-&-Paste-Konzepte und Schnell-Ausbildungen, die in den sozialen Medien kursieren:
• Innerhalb weniger Stunden können „Zertifikate“ erworben werden,
• hunderte Seiten an „sofort einsetzbaren“ Programmen werden angeboten,
• ganze Geschäftsmodelle lassen sich für wenig Geld kaufen – vom Flyer über die Website bis zur fixfertigen Coaching-Agenda.
Die Logik ist dabei stets dieselbe: Nicht Beratung steht im Mittelpunkt, sondern der schnelle Aufbau eines Business, das wiederum anderen ein Business verkaufen soll. Es ist ein selbstreferenzieller Markt, in dem das eigentliche Ziel – Menschen kompetent und verantwortungsvoll zu begleiten – in den Hintergrund rückt.
4. Warum das problematisch ist
Diese Entwicklung ist mehr als ein harmloser Trend: Sie gefährdet die Glaubwürdigkeit des gesamten Beratungs- und Coachingfeldes.
• Ratsuchende können kaum mehr unterscheiden, ob sie auf seriös ausgebildete Fachleute treffen oder auf kurzfristig „zertifizierte“ Verkäufer:innen.
• Vertrauen, das für jede Beratung essenziell ist, wird durch überzogene Heilsversprechen ausgehöhlt.
• Beratung verliert an Tiefe und wird zu einem Konsumgut – ein gefährlicher Verlust, denn echte Begleitung braucht Verantwortung, Kompetenz und Erfahrung.
Für mich ist klar: Gute Beratung ist nicht kopierbar, nicht standardisierbar, nicht beliebig vervielfältigbar. Sie braucht Persönlichkeit, Haltung und fundiertes Wissen – nicht Vorlagen oder leere Zertifikate.
Aufstellungsarbeit in Psychotherapie und Beratung
Informationen direkt von der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen
"Außerhalb der Psychotherapie findet man in den Bereichen Beratung, Coaching und Erwachsenenbildung zunehmend Angebote unter der Bezeichnung "Aufstellungsarbeit" und ähnlichen Begriffen. Die Angebote unterscheiden sich vordergründig sowohl in der beruflichen Herkunft der Veranstalter als auch durch die Begrifflichkeiten.
Mit dieser Information soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass die psychotherapeutische Technik des „Aufstellens" ohne psychotherapeutisch-fachlich qualifizierte Leitung zu schweren emotionalen Belastungsreaktionen führen kann.Zum Schutze von interessierten Personen wird empfohlen, die Qualifikation der Aufstellungsleiterin bzw. des Aufstellungsleiters besonders sorgfältig zu prüfen."
Informationen zum Thema Aufstellungsarbeit" (sowie zu ähnlich lautenden Angeboten) in Psychotherapie und Beratung:
Aufstellungsarbeit - ein detailliertes pdf-Dokument
REGIONAUTEN-BEITRAG
Hier der Artikel aus meinbezirk.at von Christoph Pfeiffer, Regionaut für meinbezirk.at
https://www.meinbezirk.at/neubau/c-gesundheit/aufklaerungsarbeit-ueber-aufstellungsarbeit_a1422039
Familienaufstellungen, Organisationsaufstellungen, Strukturaufstellungen – mehrere Begriffe, die unter „Aufstellungsarbeit“ zusammengefasst werden. Es handelt sich dabei um eine Methode, die zur Heilung von krankheitswertigen Traumata, Lösung von Problemen, Gewinnung zusätzlicher Erkenntnisse von sich wiederholenden und problematischen Erlebnissen aber auch zur Persönlichkeitsentwicklung eingesetzt wird. Das Gesundheitsministerium bezeichnet die Aufstellungsarbeit als „psychotherapeutische Technik“, die bei Durchführung von unqualifizierten Aufstellern zu schweren emotionalen Belastungsreaktionen führen kann. Zum eigenen Schutz sollte man die Qualifikation des Anbieters genauestens hinterfragen. Dieser Artikel soll dazu informieren.
Wie funktioniert Aufstellungsarbeit: Bei der Aufstellungsarbeit werden Personen, die sogenannten Repräsentanten, als Stellvertreter (bei Familienaufstellungen) für Menschen oder (bei Organisation- und Strukturaufstellungen) für abstrakte Dinge (wie ein Arbeitgeber, das Geld, ein Land, u. a.) zunächst vom Klienten ausgewählt und danach intuitiv (ohne nachzudenken) im Raum „aufgestellt“. Durch die Positionierung im Raum und die ersichtlichen Beziehungen der Personen oder Dinge zueinander, kann ein geschulter Aufstellungsleiter Rückschlüsse auf die familiäre oder berufliche Situation ziehen. Durch zielgerichtetes Eingreifen wird der Aufstellungsleiter nun versuchen, eine Lösung für das zugrundeliegende Problem zu erreichen. Durch die dabei gemachten Erfahrungen kann der Klient neue Sichtweisen auf das Problem erhalten und damit anderes mit derartigen Situationen umgehen. Es sei erwähnt, dass die Funktionsweise der Aufstellungen wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt ist.
(...)
Nähere Informationen und Warnhinweise zur Aufstellungsarbeit und den verschiedenen Berufsgruppen entnehmen Sie einer Information des Gesundheitsministeriums unter:
Warnhinweise des Gesundheitsministeriums zum Thema Aufstellungsarbeit
Grundsätzliches zur Psychotherapie: Da die Aufstellungen wie erwähnt als psychotherapeutische Methode gelten, sollen nähere Informationen dazu gegeben werden. Der renommierte Bestsellerautor Prof. Dr. med. Joachim Bauer ist Facharzt für Innere Medizin und Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Näheres zur Psychotherapie kann seiner Internetseite entnommen werden. (...)
Psychokurse können schaden:
Vorsicht vor Außenseitern und Quacksalbern!
Abzuraten ist von allen Therapie-Arten, die von selbsternannten "Therapeuten" ohne staatliche Approbation angeboten werden.
Viel Unheil und Schaden wird durch Personen angerichtet, die meditative Techniken, Schrei-Therapien, Encounter-Gruppen, Geistheilungen etc. anbieten. Nicht selten werden durch solche alternativen "Therapien" schwere psychische Störungen (insbesondere Psychosen) ausgelöst.
Zu warnen ist auch vor psychologisch angehauchten Personal-Kursen und Führungs-Seminaren, vor Kursen zum "Positivem Denken" etc..
In diesem Markt sind auch Sekten aktiv, ohne sich zu erkennen zu geben. Viele dieser Methoden zielen einseitig auf die kurzfristige Erhöhung der persönlichen Leistung und der beruflichen Effektivität.
Nach einer kurzfristigen erfolgreichen Phase kommt das Elend hinterher.
Daher Vorsicht: "Positives Denken macht krank!"
© Joachim Bauer
zum ganzen Artikel:
http://www.psychotherapie-prof-bauer.de/wasistpsychotherapie.html
Regelung in Österreich:
Tätigkeitskatalog für das Gewerbe Lebens- und Sozialberatung
Beurteilung des Umfanges der Gewerberechtigung gemäß § 29 GewO 1994, Tätigkeitskatolog der Lebens- und Sozialberatung (§119 GewO 1994)
Die im Folgenden angeführten Tätigkeiten sind Tätigkeiten des Gewerbes der Lebens- und Sozialberatung und dürfen daher nur auf Grund einer diesem Gewerbe entsprechenden Bewilligung ausgeübt werden:
1. Beratung, Coaching, Counselling und Betreuung von Personen oder Institutionen,insbesondere in den Gebieten
• Persönlichkeitsentwicklung
• Selbstfindung
• Problemlösung
• Verbesserung der Beziehungsfähigkeit
sowie psychologische Beratung (mit Ausnahme der Psychotherapie)
1.1. Beratung, Coaching, Counselling und Betreuung im individuumsorientierten Bereich im Zusammenhang mit
1.1.1 Persönlichkeitsthemen
• Lebenssituationsanalyse und Standortbestimmung d.h. Unterstützung bei Selbstwahrnehmung und Reflexion der eigenen Persönlichkeit, Arbeit an persönlichen Zielen und Zukunftsplanung, Erarbeitung des Mission Statements, Selbststärkung und Werteanalyse
• Entscheidungsfindung und Handlungskompetenz d.h. Entscheidungsvorbereitung und Analyse des Entscheidungsverhaltens, Entwicklung von Handlungs- und Lösungsstrategien
• Freizeit und Bildung d.h. Freizeitgestaltung zur Stärkung der persönlichen Ressourcen, persönliche Bildungskonzepte und deren Umsetzung
• Emotionaler Umgang mit Geld d.h. Unterstützung bei der Bewältigung finanzieller Problemsituationen, Verantwortung im Umgang mit finanziellen Ressourcen
• Themen im Zusammenhang mit der Single-Lebensform d.h. Umgang mit psychosozialen Folgen des Single-Lebens, Reflexion von Beziehungsmustern
• Bewältigung von Krisen d.h. Unterstützung bei psychosozialen und persönlichen Krisen, Begleitung von Betroffenen, Angehörigen und Helfern während und nach Krisen und Katastrophen
1.1.2 beruflichen Themen
• Berufswahl und Karriereentwicklung entsprechend den persönlichen Ressourcen d.h. berufliche Standortbestimmung und Karriereplanung, Entwicklung von Bewerbungsstrategien, persönliche Erfolgskonzepte und –strategien, Zeitmanagement und Umgang mit Stress, Stärkung der persönlichen Ressourcen zur Steigerung der Motivation, der Arbeitszufriedenheit und der Leistungsfähigkeit, Umgang mit den persönlichen Folgen von Arbeitslosigkeit, Pension, Unterstützung bei spezifischen Themen der Berufstätigkeit (Burn out, Mobbing)
• Alltags- und Arbeitsorganisation d.h. Erarbeiten einer persönlichen Alltagsorganisation, Unterstützung bei der Herstellung einer Ausgewogenheit zwischen Arbeits- und Privatleben (z.B. Work Life Balance)
• Psychohygiene d.h. Entwicklung eines gesunden psychosozialen Umfeldes (z.B. Gesundheitsberatung, Umgang mit Ängsten, Fragen der Abgrenzung), Suchtberatung und Suchtprävention
1.1.3 Lebensabschnitt-Themen
• Umgang mit Krankheit und Tod d.h. Trauerarbeit, Sterbebegleitung und Verlustbewältigung
• Validation d.h. Persönlichkeitsförderung alter Menschen, Beratung von Angehörigen und Pflegepersonal in Bezug auf Kommunikation und Stressbewältigung
1.2. Beratung, Coaching, Counselling und Betreuung im beziehungsorientierten Bereich im Zusammenhang mit
1.2.1. persönlichen Beziehungsthemen
• Partnerschafts- und Ehethemen, d. h. Analyse und Bearbeitung von Konflikten, Krisen und Veränderung in Paarbeziehungen
• Familienthemen, d. h. Analyse und Bearbeitung von Familienklima, Familiendynamik
• Scheidungs- und Trennungsthemen
• Erziehungsthemen, wie allgemeine pädagogische Fragestellungen, spezielle Erziehungsprobleme und Verhaltensweisen, Themen im Bereich Schule, Lernen und Prüfungen
• Sexualthemen, d h. Fragen im Zusammenhang mit sexueller Aufklärung, Identität und sexuellem Verhalten
1.2.2. sozialen Beziehungsthemen
• Konfliktthemen und Konfliktmanagement, wie Analyse und Bearbeitung von Bedürfnisbzw. Wertkonflikten, Entwicklung von konfliktvermeidenden Verhaltensweisen und Konfliktbewältigungsstrategien, Mediation
• Gruppen- und Teamthemen, wie Analyse und Bearbeitung von gruppendynamischen Interaktionsprozessen
• Supervision, wie arbeitsfeldbezogene und aufgabenorientierte Themen von Menschen im Beruf oder in ehrenamtlicher Tätigkeit
1.2.3. Kommunikationsthemen
• Gesprächsführung und Metakommunikation, d. h. Analyse und Training verbaler und nonverbaler Kommunikationsmöglichkeiten, Erkennen verschiedener Kommunikationsebenen, Entwicklung metakommunikativer Fähigkeiten
• Soziales Kommunizieren und Lernen, wie Modelllernen erwünschter sozialer Fähigkeiten, Logik, Emotion und Intuition in der sozialen Kommunikation
• Gesprächs- und Führungsverhalten, wie Reflexion verschiedener Gesprächsverhaltensweisen, Entwicklung von partnerschaftlichem Kommunikationsverhalten, Techniken der Gesprächs- und Verhandlungsführung
• Kommunikation- und Kooperationsthemen in Gruppen und Teams, wie Analyse und Bearbeitung von Kommunikations- und Interaktionsmustern, Erkennen und Bearbeiten von kooperationshemmenden Widerständen bei Gesprächspartnern
2. Beratung, Coaching, Counselling und Betreuung von Personen oder Institutionen in ernährungsbezogenen und ernährungswissenschaftlichen Fragestellungen, (...)
3. Beratung, Coaching, Counselling und Betreuung von Personen oder Institutionen in sportwissenschaftlichen Fragestellungen, (...)
Meine Tätigkeit bewegt sich in den Bereichen von Punkt 1