Niemals fertig
Ausstellung im Zeit_Raum 13.12.07
Rede zur Eröffnung der Gemeinschaftsausstellung Dieter Hartmann & Gabi Troester im ZeitRaum von DI Peter Lidl
Guten Abend.
Guten Abend.
Peter Lidl, Freund, Volleyballkamerad, bewegender Unternehmer, Mediator, sozusagen Verbindungskünstler zwischen Menschen, stellt seine Räume zur Verfügung. Zum zweiten mal nach der Aktion des Steirischen Herbst. Und sicher nicht das letzte mal, denn Peter Lidl hat ein Gspür für Entwicklungen. Und die Kunstszene in und um Gleisdorf bewegt sich derzeit.
Guten Abend
Dieter Hartmann, Künstler aus Weiz, beschäftigt sich schon lange mit der Malerei und fertigte schon vor gut 45 Jahren seine ersten Linol- und Holzschnitte im Hochdruckverfahren an. In diesem Jahrzehnt wandte er sich intensiv den Radierungen zu, die er in seiner eigenen Radierwerkstatt anfertigt und druckt.
Über seine Person und seine Kunst wird er uns selbst erzählen.
Guten Abend
Gabi Troester
Immer neugierig.
Niemals fertig
Keine Vollendung. Kein Ende.
Kunst im Falle von Gabi Troester ist ein Prozess.
Ein Prozess, der nicht enden will - und nicht enden soll.
Anlässlich eines Interviews im Frühjahr wurde mir vor allem eines klar: Die Begeisterung für das Geschaffene, das selbst Kreierte, wird überlagert von einer Form der Demut, der Dankbarkeit, die ihr und uns sagt:
"Ich bin froh dass dies meine Aufgabe, mein Ziel, meine Berufung ist, und ich bin froh dass meine Werkzeuge der Wahrnehmung und des Schaffens so wirken, dass dabei meine Bilder entstehen."
Diese Bilder entstehen seit langer Zeit - und sie waren und sind für mich immer als Gabi Troester Bilder erkennbar. Entwicklung in der Art, Kontinuität im Wesen.
Die Kunsthistorikerin Mirjana Peitler beschreibt auf der Homepage der Künstlerin das Werk in einer dermaßen anschaulich - emotionellen Art, dass es ein Genuss ist, die Zeilen zu lesen.
So ist es ein doppelter Genuss: Bilder, die so schön, so ehrlich, so authentisch sind, dass sie solch kunstvolle Beschreibungen hervorrufen. Kunst als Samenkorn weiterer Kunst.
Eines vermute ich zu wissen: Bilder, Musik, Gedichte - im Grunde genommen alle Werke die aus dem Inneren und nicht aus der mechanischen Reproduktion eines Musters kommen - geben uns Einblick in tiefere Schichten der Schaffenden. Einblick in die Vergangenheit, in Erlebnisse und Erfahrungen, in momentane Zustände des Selbst beim Entstehen des Werks und in Wünsche, Sehnsüchte und Ziele.
Vielleicht lassen sie uns sogar in die Seele blicken - wenn unser Blick klar und weit genug ist zu sehen, was andere vielleicht nicht wahrnehmen.
Gabis Bilder sind aber auch ein mächtiges Instrument, um in unsere eigene Seele zu blicken. Was sehen wir? Wie fühlen wir, welche Beschreibungen geben wir jenen Details, die wir zu erkennen glauben. Wie interpretieren wir, wie sehr glauben wir die Absicht, das Motiv die Empfindungen der Malerin zu verstehen?
Somit stehen wir vor Kunstwerken wie vor einem spiegelnden Fenster, in dem sich unser Gesicht spiegelt und wir auch noch das Gesicht unseres Gegenübers auf der anderen Seite des Glases erkennen können. Je nachdem wie wir unseren Blick einstellen, fokussieren, sehen wir mehr von uns, mehr vom Gegenüber oder übereinander gelagerte Bilder. Eine Herausforderung und eine Reise vom Ich zum Du und retour.
Und wenn sich nun herausstellt, dass wir plötzlich spüren, welche Schwingungen in uns ausgelöst werden, wir sagen können "Dies und jenes gefällt mir, berührt mich" statt: "Poah des is schön", wenn wir die Verallgemeinerung (der wir so gerne unterliegen) ausschalten zugunsten des persönlichen Eindrucks, dann haben uns die Bilder schon in eine wunderbare Situation entführt.
Bei mir haben Bilder diese Wirkung. Und es tut mir so richtig gut. Dieses Wohlgefühl wünsche ich Ihnen, meine Damen und Herren, ebenfalls, wenn Sie sich in Ruhe den einzelnen Kunstwerken widmen.
Also: Haben wir heute einen guten Abend.