Wovor fürchten SIE sich?
Wovor fürchten SIE sich?
Ganz offensichtlich hat der Mensch schon in grauen Vorzeiten der Gefahr mehr Beachtung schenken müssen als den Verlockungen, und nur so hat er überlebt.
Ist ja auch klar, denn wenn um die Ecke die süßen roten Beeren locken und gleichzeitig der Säbelzahntiger lauert, dann gibt es nur eine das Überleben sichernde Lösung: Schnell weg, und süße Beeren finden wir später auch noch.
Inzwischen müssen wir uns in den „zivilisierten“ Ländern vor schrecklichen Viechern nicht mehr fürchten. Dafür haben findige Zeitgenossen allerhand aufgebracht, wovor wir uns fürchten sollten.
Also:
Fürchten Sie sich vor dem Teufel? Der Rache Montezumas?
Oder vor dem Verlust des Arbeitsplatzes?
Oder vor den „bösen Ausländern“, den Linken, den Ultrarechten, den Fundamentalisten?
Oder, ja, genau, sicher vor der finanziellen oder existenziellen Pleite?
Vor den Sekten, den Killerspielen, den Gruselstorys über AIDS-Spritzen und Kindesentführungen aus Supermärkten?
Und wehe, sie fürchten sich nicht!
Weil Sie glauben, Sie haben Ihr Leben selbst in der Hand. Und wehe, Sie genießen das Leben in Zeiten wie diesen.
Ich wette, schnell finden sich welche, die Ihnen eine lebenslange Schuld einimpfen wollen, so Sie noch keine Ihr Eigen nennen. Mit allen möglichen Begründungen.
Sie haben sich als Jugendliche zu oft der Selbstbefriedigung hingegeben.
Sie haben einen Großvater, der einen Kriegsverbrecher gekannt hat.
Sie haben überhaupt die Schuld für die Gräueltaten aller Vorfahren geerbt!
Sie denken zu wenig über Ihre Verantwortung für eine gerechte Welt nach.
Sie leben noch!
Also, wovor haben wir nun Angst?
Haben wir vielleicht Angst, einen Schlussstrich zu ziehen. Verzeihen, vergeben, vergessen wir nie? Und wenn uns der klare Schnitt nicht gelingt, dann werden aus den Nachfahren der Opfer, die nach Wiedergutmachung schreien, die Täter an der nächsten Generation. Solange wir wollen.
Seien Sie couragiert. Ziehen Sie den Schlussstrich. Verzeihen Sie Ihrem Ex, Ihrer Feindin, Ihrem Widersacher. Allen, die Ihnen weh getan haben. Bedingungslos. Und küssen Sie den Säbelzahntiger! Nur Mut!
© HWF: Nachdenken kann weh tun. 06/2009