Weihnachten und das nächste Jahr
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Hinter meinem Spiegel schaut die Welt ganz anders aus.
Das ist eine Welt, wie sie hoffentlich einmal existieren wird. Eine Welt, in der es allen gut geht. Eine Welt in der wir Wissen und Werte TEILEN, statt zu raffen, und eine Welt in der es nicht mindestens 7 Industrien (Auto, Medien, Fressen, Sex, Glücksspiel, Drogen, Nobelmarken…) gibt, die nichts anderes machen als professionell und in Massen Ersatzbefriedigungsgüter zu produzieren.
Ersatzbefriedigungsgüter deswegen, weil in der modernen Erfolgsgesellschaft viel Menschen nicht einmal ihre beiden elementaren Grundbedürfnisse befriedigt sehen: Verbundenheit und Wachstum. Und um dem Mangel abzuhelfen suchen sie sich Ersatzbefriedigungen: Das teure Gewand, das schicke Auto, Modedrogen, … Es sind nur Ersatzbefriedigungen. Nicht das echte Gefühl. Und drum braucht man immer mehr.
Vor über dreißig Jahren habe ich angesichts eines sehr links stehenden Lehrers formuliert, dass weder die DDR noch die Sowietunion gegen den „Kommunismus des Konsums“ Bestand haben werden – was uns die Geschichte auch deutlich bewiesen hat. Ich dachte aber damals, alle hätten ein Recht auf das umfangreiche Warenangebot, auf günstige Fernseher, brauchbare Autos und was sonst noch innerhalb meines bescheidenen Horizonts als Lebenserleichterung des „fortschrittlichen Westens“ aufleuchtete.
Ob jedoch der Handel: Weg aus dem Osten – hinein in bessere Lebensbedingungen, scheinbare Freiheit und Anerkennung der Menschenrechte - ein glücklicher war, das wage ich zu bezweifeln. Denn die Konsumrauschgesellschaft wurde damit zur ständigen Begleiterin.
Wie die Idioten folgen wir heute brav den Sprüchen der Werbeindustrie, kaufen und kaufen und kaufen. Dabei werden wir von dem Radiosender, der so tut als wäre Arbeit eine schändliche Qual (nicht umsonst ist auf dieser Frequenz schon am Mittwoch der Startschuss fürs Wochenende) noch zusätzlich ermuntert, möglichst viel auszugeben und dann alle Rechnungen einzureichen um den Betrag zurück zu gewinnen. Mann sind wir blöd. Aber hemmungslos einkaufen, ja das soll uns alle glücklich machen. Macht es aber nicht. Erwiesen. Fragen Sie die Gehirnforschungsexperten Spitzer und Hüther.
Kleiner Seitenblick am Rande: Ich selbst war und bin zum Teil selbst so ein Konsum-Junkie. Was ich im Laufe meines Lebens alles eingekauft habe, und wie viel davon völlig sinnlos – es ist zum Heulen. Und dass es von der Kauflust zur Kaufsucht zur Kontoüberziehung zum Ruin ein verdammt schneller Weg sein kann – das haben schon viele verspürt.
Wieso machen wir es nicht anders. Schenken Teilnahme, Achtsamkeit, Liebe. Und sonst eher Kleinigkeiten, wenn schon…
In diesem Sinne: Wenn es heuer nicht geling, dann nehmen Sie es sich doch für 2010 vor. Diese Vorsätze kann man dann ja bei Bedarf über Bord werfen. Und zack bleibt alles beim alten.