Umfragen, die uns...
Umfragen die uns verblüffen, verunsichern und verarschen
Ach ja, es ist diesmal wieder ein Artikel für die Welt hinter dem Spiegel zu verfassen, und die Leut sollen was Gscheites zu lesen bekommen. Gern geschehen, mich drückt ja eh gerade ein Thema, die Umfrageritis nervosa politica und sozio-oeconomica. Was denn die Politiker und Soziologen alles von uns wissen wollen (wenn sie es nicht eh schon wissen)! Und zu welchen höchstwichtigen Themen die Menschen befragt werden – und Auskunft geben!
Einige Studien- und Umfrageergebnisse habe ich Ihnen diesmal herausgesucht und aufbereitet.
Die lästigsten Umfrager:
Telefon- und Handy Anbieter mit Umfragen zu Nutzung und Gesprächsverhalten. Versicherungen mit Umfragen zu Anlagesicherheit und Haushaltseinkommen. Diverse (jeweils politisch völlig „unparteiische“ ) „Institute“ mit Umfragen zu PolitikerInnen, Wahlthemen, Bürgerängsten und Lebensformen…
Die spannendsten Ergebnisse:
Selten haben 100 Prozent der Befragten ein Meinung, meist ist der Anteil der „Meinungslosen“ schockierend hoch. Außer bei wichtigen Themen: Sex, Auto, Schulsystem, Fußball: Da besteht Unser Land aus 100% Experten.
Eine wahrlich schauderhafte Studie kommt von unseren nördlichen Nachbarn: Dort reden Eltern pro TAG genau noch 8 Minuten mit ihren Kindern, im Schnitt, versteht sich. Wie soll da noch familieninterne Verständigung funktionieren? Bei uns ist sicher alles viel besser.
Der Anteil an Gemüse-und Grünzeug –Muffeln ist in den letzten 10 Jahren beinahe um das Doppelte gestiegen: Von 13% im Jahr1999 auf 24% im Jahr 2009, das heißt dass fast ein Viertel der Bevölkerung das wichtige und gesunde Gemüse als Nahrung ablehnt.
TV-Studie: Angeblich saß ein durchschnittlicher Schulanfänger in England in den ersten sechs Jahren seines Lebens bereits ein ganzes Jahr vor der Flimmerkiste, mit irreparablen Schäden für seine Gehirnentwicklung. (Aber wozu brauchen wir Gehirnentwicklung denn noch? Reicht es nicht, wenn wir Kinder züchten, die willfährig all das konsumieren was die Bildschirmmedien vorgeben, dazwischen eine Berufsausbildung machen damit sie Geld haben um noch mehr Geld sinnlos auszugeben – für allerlei Medienprodukte – und die dann schon so verblödet sind, dass sie sich bei Wahlen gerade wieder an denselben Medien orientieren, die sie verdummt haben?)
Aus einer Umfrage zum Sozialverhalten: 36% der Menschen halten freundliches Grüßen für unnötig, 49% der unter 36jährigen finden es nicht mehr wichtig dass man einander die Hände zum Gruß reicht und 71% all jener, die sich als erfolgreich bezeichnen, finden nichts dabei, um des eigenen Erfolges wegen zu lügen oder zu betrügen.
Spannendes aus der Welt des Übersinnlichen: 43% der Befragten glauben an Wesen aus anderen „Reichen“, wie Geister, Engel, Dämonen. 14% der Befragten geben an, schon einmal ein übernatürliches Wesen gesehen zu haben. Und 8 % gaben an, mit übernatürlichen Wesen in Kontakt treten zu können.
Können Sie das alles glauben? Sind Sie sicher, dass es bei Ihnen, in Ihrer Umgebung anders ist. Dann ist es ja noch viel schlimmer! Denn in diesem Fall ist wäre das Ergebnis bei Ihnen unterdurchschnittlich, was zur Folge hat, dass anderswo Menschen sein müssen, die in ihrem verhalten oder ihren Ansichten weit über dem Durchschnitt liegen…
Wissen Sie um die Herkunft der Studie, die Einstellung der Studienersteller, die Menge und Auswahl der Befragten, die Art der Berechnung, die Auftraggeber, etc. etc.? -- Sie wissen meist nix, wenn Studien und Umfragen veröffentlicht werden.
Meine Meinung ist: Die meisten Studien im Boulevard und im Business sind reine Verkaufshilfen. Und selbst in wissenschaftlichen Fachpublikationen sind Studien oftmals fehlerbehaftet.
Wenn Sie es genau wissen wollen: Selbst auf dieser Seite stimmt nicht alles. Was es ist? Raten Sie, finden Sie die Fehler! Oder fragen Sie mich – wie immer per Mail aber diesmal an hannes.felgitsch @sennah.com!
PS: Sonstige allergische Reaktionen und Beschimpfungen, aber auch Zuspruch oder andere Sichtweisen bitte wie immer auch postalisch an „Die Oststeirische, PF 42, Ludersdorf 187, 8200 Gleisdorf“.
© HWF: Nachdenken kann weh tun. 11/2009
PS: Zum letzten Artikel:
„WER ONE FELER IST, DER…“ Natürlich hab ich nichts dagegen, wenn möglichst viele Menschen gut rechtschreiben können und stolz auf ihre Kulturleistung sind. Ich habe nur etwas dagegen, dass man Menschen abwertet, wenn sie nicht so gut rechtschreiben können. Oder im Dialekt reden. Oder nicht gesellschaftskonform gekleidet sind. Oder nicht so viel Geld verdienen. Oder xxx… Ois kloar??