Forderungskatalog - Schule
Klarheit!
Ein Forderungskatalog zum Schulbeginn
Ach wie herrlich, Schulbeginn! Aufgeregte TaferlklasserInnen, nervöse Eltern und entspannt-gleichgültige OberstufenschülerInnen, alle stehen am Start zum Schuljahr 2009/2010. Und ich wünsche allen gleich vorweg: Viel Freude, wenig Langeweile, keine Demotivation, keine Bloßstellung und keine Angst.
Offenen Auges durch die Szene gehend, kommt mir folgendes (und wissen Sie, es ist mir wurscht ob „folgendes“ nun groß oder klein zu schreiben ist) in den Sinn: Die letzten Jahre haben zu einer Vermischung von Aufgaben und Kompetenzen geführt, die schon als unerwünschter Cocktail wahrzunehmen und zu bezeichnen ist.
Oh Ihr Eltern!
Nehmt eure erzieherischen Aufgaben zuhause wahr. Seid da für die Kinder, für ihre Herzensangelegenheiten und existenziellen Bedürfnisse, habt Zeit und Liebe für sie. Ihr seid ELTERN! Keine Hilfslehrer. Keine Hobbypädagogen. Lasst den Lehrern ihre Kompetenzen und Charaktere - Kinder müssen lernen, mit Situationen und Herausforderungen umzugehen. Verzichtet doch bitte darauf, eure Liebsten gleich zu Ärzten und Psychologen zu schleppen oder mit Medikamenten ruhig zu stellen, wenn sie nur ein klein wenig abseits der Norm sind. Nehmt sie an, so wie sie sind. Und steht ebenso fest hinter den LehrerInnen – Kinder kommen mit mannigfaltigen Formen des Unterrichts klar, wenn ganz deutlich ausgesprochen ist: Da sind die Lehrkräfte, die wissen was sie tun, und die Jobs eurer Söhne, Töchter, SchülerInnen sind eindeutig definiert: Lernen, Aufgaben erledigen, Wissenserwerb. Übrigens: Wenn man daheim respektlos von den „faulen“, „unfähigen“ und „schlechten“ Lehrern spricht, wie sollen SchülerInnen da noch Respekt entwickeln? Und, man gestatte mir die Nebenbemerkung, wer Schulnoten mittels Rechtsanwälten durchsetzen oder bekämpfen will, solle sich mal im Spiegel betrachten: Neid, Erfolgsdruck, erbitterter Ehrgeiz, Schuldzuweisung, Gegnerschaft auf Biegen und Brechen… was schaut dir denn entgegen?
Oh Ihr LehreInnen!
Macht euren schweren und gleichzeitig schönen Job. Liebt die Menschen die euch anvertraut sind. Ihr verdient und habt natürliche Autorität und Respekt. Gebt euren Schützlingen Aufgaben, an denen sie wachsen, Zeit zum Üben und Probieren und ein gerechtes Feedback. SchülerInnen wissen, wie weit sie bei wem gehen können: Also steckt die Grenzen gleich zu Anfang klar ab. Das tut gut. Euer Job ist es nicht, über den Verfall der Sitten, mangelnde Erziehung durch die Familie, mediengestörte Jugendliche und Politiker zu schimpfen. Macht einen Unterricht mit Spaß, Überraschungen und Lust, aber ohne Demütigungen, Einschüchterungen und Angst. Ja ich verstehe schon, wo sind die Konsequenzen, wenn ein Störenfried alle Grenzen missachtet, was bleibt euch an „Disziplinierungsmaßnahmen“? Anscheinend ist es derzeit altmodisch zu denken, dass ein Verhalten Folgen, Folgen Konsequenzen und Konsequenzen auch Strafen nach sich ziehen können. Trotzdem bleibt eines klar: Wenn es schwierig wird helfen keine Schuldzuweisungen, weder an die Eltern (Erziehungsmängel) oder an die Schüler (Faulheit), die Verantwortung, dass Schüler etwas lernen, liegt bei den Lehrpersonen.
Oh Ihr SchülerInnen!
Lernt. Lernt lernen. Lernt mit den verschiedenen Lehrkräften umzugehen. Und macht auch euren Job. Jammern hilft nicht! Die Regeln sind nicht eure, ich weiß. Aber solange ihr Kinder / Jugendliche seid, machen die Erwachsenen das Regelwerk. Und, geht respektvoll miteinander um. Respektlosigkeit anderen gegenüber ist oft Ausdruck eigener Wertlosigkeit. Blöd, was?
Oh ihr PolitikerInnen!
Traut euch: Ein schlanker Verwaltungsapparat, ein Dienstrecht, eine Ausbildung, und alles unter einem Dach, dem Dach des Bundes. Lasst euch von nicht ablenken! Kleinliche Einzelinteressen und Privilegien müssen zugunsten eines klaren und einheitlichen Schulsystems zurücktreten! Hier gilt es, an einem Strang zu ziehen! Pfeift auf Parteipolitik und versucht, unseren Kindern die besten Grundlagen zu bieten, bei gleichzeitig sparsamer Vorgehensweise.
Oh weh!
© HWF: Nachdenken kann weh tun. 09/2009